Trauer bei Kindern:

So erklärt man das Thema Tod altersgerecht

Rund 90.000 Menschen. So viele sterben lt. Statistik Austria pro Jahr in Österreich. Es ist daher nicht zu umgehen, dass auch die Kleinsten mit dem Thema Tod beim Heranwachsen in Berührung kommen. Sei es, weil jemand aus der Nachbarschaft, ein Familienmitglied oder ein geliebtes Haustier stirbt. Die Trauer bei Kindern unterscheidet sich aber von jener von Erwachsenen. Sie brauchen daher – je nach Alter – unterschiedliche Formen der Begleitung. Doch das Gute vorweg: Kinder können mit dem Thema Tod umgehen, besser als viele Erwachsene glauben. Wir erklären die Besonderheiten.

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Kinder haben ein Recht auf Wissen  

Oft kommt die Frage unserer Kleinsten wie aus dem Nichts: „Wo wohne ich, wenn du stirbst?“. Zwischen Einkäufe in den Kofferraum packen und Kind anschnallen überfordert diese Frage verständlicherweise. Dieses Thema aber abzutun mit Argumenten wie „Aber ich werde nicht sterben“, klingt verlockend, hilft dem Kind aber nicht weiter. Wir sollten uns daher rechtzeitig darauf vorbereiten, um ihnen kindgerecht antworten zu können. Und auch wenn jemand aus dem Umfeld verstirbt, sollte das frühzeitig und offen an unsere Kinder kommuniziert werden.

Die 4 Aspekte der Trauerbewältigung bei Kindern nach Oliver Junker

Oliver Junker arbeitet als Trauerbegleiter für Kinder, ist Kommunikationsexperte und hat folgende 4 Aspekte als essenziell für die Trauerbegleitung bei Kindern erarbeitet:

  1. Nonfunktionalität: Auch wenn es schwer ist, plädiert Junker darauf, mit klaren Worten den Tod zu beschreiben. Etwa mit dem Fehlen der Körperfunktionen: „Opas Herz schlägt nicht mehr, er atmet nicht mehr. Er ist tot.“ Kinder verstehen klare Worte viel besser als Umschreibungen. Zu behaupten, jemand sei „eingeschlafen“ ruft im schlimmsten Fall sogar Angst vorm Zubettgehen hervor.
  2. Irreversibilität: Sollten die Kinder im Volksschulalter sein, könnte man den ersten Punkt noch erweitern mit folgender Erklärung: „Und Opa wird auch nicht mehr mit dir spielen können.“ Das klingt für uns hart, sehr hart. Doch es ist eben auch hart, wenn Opa stirbt. Da sollten wir nichts beschönigen, sondern die Gefühle, die uns danach entgegenströmen, annehmen und zulassen.
  3. Kausalität: Um das 10. Lebensjahr herum, haben Kinder auch eine Vorstellung von den verschiedenen Ursachen für den Tod: Alter, Unfall oder Krankheit können dann zusätzlich thematisiert werden. Davor spielen die Gründe für den Tod eine untergeordnete Rolle.
  4. Universalität: Dies ist jetzt für die Erklärung im Trauerfall nicht zwingend erforderlich, aber im Zuge der Trauerbewältigung stellen Kinder auch oftmals die Frage, ob sie selbst denn auch sterben müssen. Nach Junker wäre eine ehrliche und hilfreiche Antwort darauf: „Ja, auch du wirst einmal sterben. Aber ich wünsche mir – und du bestimmt auch -, dass du steinalt wirst.“

Wann sollte man mit Kindern das Thema Tod besprechen?

Den einen richtigen Zeitpunkt gibt es nicht. Dieser sollte anlassbezogen sein. Entweder, weil ein Todesfall im Umkreis der Familie eingetreten ist oder aber, wenn das Kind Fragen stellt. Es ist daher ratsam, sich frühzeitig mit diesem Thema auseinanderzusetzen, um im Bedarfsfall Antworten parat zu haben. Und wir sollten nicht vergessen, der Tod gehört zu unserem Leben.

Wie trauern Kinder?

Kinder trauern in Wellen. Anders als wir Erwachsene wechseln die Phasen von Fröhlichkeit & Spiel mit Wut & Trauer oft blitzschnell ab. Wichtig für die Eltern ist, da zu sein und die Gefühle zu begleiten, wenn sie rauswollen und die Antworten zu liefern, wenn Fragen gestellt werden.

Was hilft trauernden Kindern?

Hilfreich ist es, wenn der Tagesablauf bzw. die -struktur nicht verändert wird. Ist jemand aus der Kernfamilie gestorben, wie etwa der Papa, der mit dem Kind immer mit dem Rad unterwegs war, kann es helfen, dieses Ritual mit einem anderen nahen Angehörigen fortzusetzen. Kinder verarbeiten Trauer nicht durch Reden. Sie zeichnen, sie singen, sie spielen mit ihren Puppen gewisse Szenen nach. Bleiben Sie in dieser Zeit aufmerksam, um Ihrem Kind die nötige Stütze zu sein, wenn es Sie braucht.

Sollten Kinder mit auf Beerdigungen?

Generelle Aussagen sind hier schwierig. Aber ja. Beerdigungen mit all seinen Aspekten, wie weinenden Erwachsenen, den Anblick des Sargs oder evtl. des:der Toten und die Begleitung hin zum Grab, sind auch für Kinder relevant, um Todesfälle verarbeiten zu können. Wichtig dabei ist, mit den Kindern vor (!) der Beerdigung den Ablauf zu besprechen. Sollten Kindern mit ihren Gefühlen überfordert sein, verfallen sie oftmals ins Spiel. Das sollte ihnen vor Ort möglich sein. Eine vertraute Begleitperson, die selbst nicht so stark vom Verlust betroffen ist, ist ebenso ratsam.

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Macht es Kindern Angst die Eltern weinen zu sehen?

Nein. Kindern macht es eher Angst, wenn sie merken, dass ihnen etwas vorgetäuscht wird. Sprich wir sprechen ruhig und monoton, in uns brodelt es aber vor Wut, Traurigkeit und Verzweiflung. Auch Eltern oder Erwachsene dürfen ihre Gefühle zeigen. Kinder verstehen oft besser als wir Großen, dass alle Gefühle ihren Platz haben. Wichtig ist nur die Erklärung im Nachhinein, wieso man sich so traurig und ohnmächtig fühlt. Kinder lernen so auch, dass diese Gefühle auch wieder vorbeigehen.

Professionelle Hilfe für trauernde Kinder?

Sollten die Gefühle überhandnehmen oder Sie sich nicht mehr in der Lage sehen, Ihr Kind gut und sicher durch die Trauer zu begleiten, scheuen Sie nicht nach Hilfe zu fragen, zum Beispiel hier:

Anlaufstelle in Kärnten: Rainbows-Trauerbegleitung

Die Bestattung Ihres Vertrauens hilft in allen obenstehenden Phasen und sämtlichen damit einhergehenden Fragen gerne weiter. Sie müssen solche großen Gefühle nicht allein verarbeiten. Geschulte Betreuer:innen haben den Blick von außen und können mit viel Erfahrung und Empathie aus der einen oder anderen Phase raushelfen.

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